24. September 2026

Rechenzentren-Analyse in Deutschland: Rund 70 Prozent der erfassten Anschlussleistung entfallen auf Hessen

Rechenzentren-Analyse in Deutschland: Rund 70 Prozent der erfassten Anschlussleistung entfallen auf Hessen
Das aktuelle US-Projekt Starmind Al1 von SpaceX mit einem satellitengestützten KI-Rechner im Weltall verdeutlicht einmal mehr, wie hoch der Bedarf an Rechenzentren bereits ist. Auch in Deutschland steigt die Nachfrage nach entsprechenden Netzkapazitäten. Beim Bau neuer Rechenzentren müssen Betreiber sowohl den Stromverbrauch als auch die elektrische Anschlussleistung eines Rechenzentrums einplanen. Letztere gibt an, welche maximale elektrische Leistung ein Rechenzentrum über seinen Netzanschluss beziehen kann, und bestimmt damit, welche Kapazität das Stromnetz für den jeweiligen Standort bereitstellen muss. Wie unsere neue Analyse zeigt, ist diese Anschlussleistung in Deutschland regional sehr ungleich verteilt. Für die Untersuchung haben wir die Anschlussleistung bestehender Rechenzentren der deutschen Bundesländer und der 20 größten Städte des Landes untersucht. Denn auch auf der diesjährigen IFA Berlin wird das Thema diskutiert: Edge & Cloud Computing sowie Konnektivität und sichere digitale Infrastrukturen zählen dort zu den Trendthemen in den Show Areas „Computing & Gaming“ und „Communication & Connectivity“.

 

Hessen auf Platz 1 mit höchster Anschlussleistung

Für die Untersuchung hat die IFA Berlin Daten von Data Center Map zu insgesamt 573 Rechenzentren in Deutschland ausgewertet. Für 218 Rechenzentren lagen Angaben zur Anschlussleistung in Megawatt (MW) vor. Davon befinden sich 151 Rechenzentren in Betrieb, die zusammen auf 1.763,9 MW kommen. Davon steuert Hessen mit 1.229,8 MW knapp 70 Prozent der erfassten Anschlussleistung bei und liegt mit Abstand auf Platz 1. In dem Bundesland sind zurzeit 63 Rechenzentren in Betrieb, für die eine MW-Angabe vorliegt. Danach folgt Brandenburg mit 123,5 MW. Nordrhein-Westfalen belegt mit 107,7 MW den dritten Platz.

Auf dem letzten Platz im Ranking liegt Niedersachsen mit 2,2 MW. Saarland belegt mit 3,0 MW den vorletzten Platz und Rheinland-Pfalz weist die drittniedrigste erfasste Anschlussleistung (3,6 MW) auf.

Im Schnitt hat Brandenburg die höchste Anschlussleistung pro Rechenzentrum

Wenn man die durchschnittliche Anschlussleistung pro Rechenzentrum betrachtet, ändert sich das Ranking: Unter den Bundesländern mit mindestens fünf Rechenzentren in Betrieb und verfügbarer MW‑Angabe landet dann Brandenburg mit durchschnittlich 20,6 MW pro Rechenzentrum auf Platz 1. Knapp dahinter folgt Hessen mit 19,5 MW und Berlin mit 10,7 MW. Baden-Württemberg (6,1 MW) und Bayern (4,2 MW) belegen Platz drei und vier. Das Schlusslicht bildet Hamburg mit 3,2 MW im Durchschnitt.

Im Städtevergleich ist Frankfurt am Main Spitzenreiter

Unter den 20 größten Städten Deutschlands führt Frankfurt am Main mit 581,6 MW erfasster elektrischer Anschlussleistung das Ranking an. Platz zwei belegt Berlin (96,5 MW) und Hamburg folgt mit 31,9 MW auf Platz drei.

Im Negativranking der Städte liegt Dresden mit 0,7 MW auf dem letzten Platz. Davor liegen Wuppertal (1,5 MW) und Hannover (2,2 MW).

Frankfurt auch bei durchschnittlicher Anschlussleistung auf Platz 1

Bei der durchschnittlichen Anschlussleistung bleibt Frankfurt am Main mit 13,2 MW unangefochtener Spitzenreiter. Berlin folgt mit 10,7 MW. Mit deutlichem Abstand belegt München mit 4,7 MW den dritten Platz. Am unteren Ende landet wieder Hamburg mit einer durchschnittlichen Anschlussleistung von 3,2 MW.

67 neue Rechenzentrumsprojekte in Bau und Planung

Für die Analyse wurden auch die zukünftigen, bereits kommunizierten Projekte mit erhoben. Insgesamt gibt es derzeit 67 geplante oder im Bau befindliche Rechenzentren, für die eine potenziell verfügbare Leistungsabgabe von 6.433,7 Megawatt angegeben wird. Die größte angekündigte Anschlussleistung entfällt auf das Bundesland Brandenburg (2.598 MW). Dahinter folgen Hessen (1.688,9 MW) und Baden-Württemberg mit 708 MW.

Bei der Anzahl an neuen Projekten liegt hingegen Hessen vorn. Mit 24 geplanten oder sich im Bau befindlichen Rechenzentren entstehen dort mehr neue Anlagen als in jedem anderen Bundesland. Brandenburg folgt mit 22 Rechenzentren dicht danach. Alle anderen Bundesländer kommen nur auf sehr wenige neu geplante Projekte: Beispielsweise sind in Berlin neun oder in Bayern derzeit fünf neue Rechenzentren geplant. In fünf Bundesländern (Hamburg, Sachsen, Saarland, Bremen, Thüringen) ist dagegen aktuell kein Bau oder keine Planung von einem Rechenzentrum bekannt.

Über die Untersuchung

Für die Untersuchung hat die IFA Berlin Daten von Data Center Map zu insgesamt 573 Rechenzentren in Deutschland ausgewertet. Für 218 Rechenzentren lagen Angaben zur Leistung in Megawatt (MW) vor. Davon befinden sich 151 Rechenzentren in Betrieb und 67 im Bau oder in Planung. Die Auswertung nach Städten bezieht sich auf die 20 größten Städte Deutschlands. Aufgrund fehlender Leistungsangaben für einen Teil der Rechenzentren bilden die ausgewiesenen MW-Werte nicht die vollständige Rechenzentrumsleistung Deutschlands ab. So gab es für vier Bundesländer (Thüringen, Bremen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern) und für acht Städte (Karlsruhe, Mannheim, Bonn, Bielefeld, Bochum, Essen, Bremen, Dortmund) keine Angaben zur Anschlussleistung laut Quelle. Die Angaben zu Rechenzentren in Bau oder Planung entsprechen dem zum Zeitpunkt der Untersuchung bekannten Planungsstand. Die tatsächliche Realisierung und Leistung einzelner Projekte kann davon abweichen. Da insbesondere einzelne Großprojekte hohe Leistungswerte aufweisen, können diese die Ergebnisse auf Bundeslandebene erheblich beeinflussen. Erhebungszeitraum: August 2026.