1. Juli 2026

Infrastruktur für alternative Kraftstoffe im EU-Vergleich

Mobilität

Obwohl inzwischen knapp jedes fünfte Auto in Europa rein elektrisch angetrieben ist, besteht weiterhin Skepsis gegenüber der Technologie – unter anderem wegen mangelndem Vertrauen in das öffentliche Ladenetz. Ob die Sorge um fehlende Lademöglichkeiten begründet ist, haben wir für die IFA Berlin (www.ifa-berlin.com) in einer aktuellen Untersuchung analysiert. Darüber hinaus haben wir die Entwicklung anderer alternativer Kraftstoffe innerhalb der EU untersucht. Als globale Plattform für Zukunftstechnologien beobachten wir diese Entwicklungen nicht nur, sondern bringen sie jedes Jahr auf der IFA Berlin mit Innovationen aus den Bereichen Elektromobilität, Ladeinfrastruktur und vernetzte Mobilität zusammen.

E-Mobilität: Die Niederlande sind Spitzenreiter
Mehr als eine Million E-Ladesäulen stehen Besitzer:innen von Elektrofahrzeugen innerhalb der EU zur Verfügung. Die Niederlande führen das Ranking mit 202.833 E-Ladesäulen bis Ende 2025 an, gefolgt von Deutschland mit 200.830. Den dritten Platz belegt Frankreich mit 186.717 Säulen. Auf Platz vier und fünf folgen Belgien und Italien mit 98.707 und 70.039 Ladestationen. Am unteren Ende des Rankings befinden sich Malta (113), Zypern (761) und Estland (1.976). Auch in Lettland und Kroatien finden sich mit 2.051 und 2.305 vergleichsweise wenige E-Ladesäulen. 


 

Betrachtet man die Anzahl der E-Ladesäulen in Relation zur Fläche des Landes, liegen die Benelux-Staaten vorn: Die Niederlande liegen mit 4,88 Säulen pro Quadratkilometer weiterhin auf Platz 1. Belgien und Luxemburg folgen mit 3,03 und 1,25 Ladesäulen pro Quadratkilometer auf den Plätzen zwei und drei. Deutschland belegt mit 0,56 Ladestationen den fünften Platz hinter Dänemark (1,17 Ladesäulen pro Quadratkilometer). Die niedrigste Dichte weisen Rumänien und Lettland (jeweils 0,03 Säulen) sowie Bulgarien, Kroatien und Estland (jeweils 0,04 Säulen) auf. 

 


 

Allein in diesem Jahr wurden EU-weit 23.687 neue E-Ladesäulen installiert. Im Jahr 2025 ist der Bestand an Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen: Während es 882.012 Ladesäulen im Jahr 2024 gab, waren es 2025 schon 1.061.890. 

 

 

 

NRW ist Spitzenreiter bei der Entwicklung der öffentlichen Ladesäulen in Deutschland
In 2026 sind erstmals mehr als zwei Millionen rein elektrisch betriebene Fahrzeuge zugelassen. Für die deutschen E-Fahrzeughalter:innen waren zum 1. März 2026 198.384 öffentliche E-Ladesäulen registriert. Insgesamt gibt es 12.596 unterschiedliche Betreiber von Ladeeinrichtungen, wobei die fünf größten Anbieter rund 13 Prozent dieser Ladeeinrichtungen betreiben.

Die meisten Ladepunkte gibt es in Nordrhein-Westfalen (39.148), Bayern (37.918), Baden-Württemberg (34.167), Niedersachsen (19.511) und Hessen (15.600). Die höchste Dichte an Ladestationen gibt es hingegen in den Stadtstaaten: Berlin hat mit 7,77 die meisten Ladesäulen pro Quadratkilometer, gefolgt von Hamburg mit 6,40 und Bremen mit 4,75. Die Bundesländer im Osten weisen die niedrigste Dichte auf: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 0,13 E-Ladesäulen pro Quadratkilometer, in Brandenburg 0,16, in Sachsen-Anhalt 0,17, in Thüringen 0,25 und in Sachsen 0,38.

 


 

Welche Ladepunkte dominieren in Europa?

Grundsätzlich wird zwischen Wechselstrom-Ladepunkten (AC) und Gleichstrom-Schnellladepunkten (DC) unterschieden. AC-Ladepunkte sind vor allem für längere Standzeiten geeignet, etwa zu Hause oder am Arbeitsplatz. DC-Ladepunkte ermöglichen deutlich schnellere Ladevorgänge und sind insbesondere für Langstrecken relevant.

In Europa dominieren klar die AC-Ladepunkte. Rund 867.000 der insgesamt über eine Million erfassten Ladepunkte entfallen auf AC-Technologie – das entspricht rund 82 Prozent. In der überwiegenden Mehrheit der EU‑Mitgliedstaaten stellen sie den größten Anteil der Infrastruktur dar – in den Niederlanden, Malta, Zypern und Belgien liegt der Wert sogar bei über 90 Prozent. Besonders verbreitet sind mittelstarke AC-Ladepunkte mit Leistungen zwischen 7,4 und 22 kW, die mit rund 777.000 Ladepunkten den größten Anteil der gesamten Infrastruktur ausmachen (73 Prozent).

Nur in wenigen Ländern ist der Anteil von DC-Ladepunkten ähnlich hoch oder erreicht ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis. Nur in Estland (57 Prozent) und Lettland (54 Prozent) gibt es mehr DC-Ladepunkte als AC-Ladepunkte. 

Auch in Deutschland dominieren AC-Ladepunkte, sie machen rund 75 Prozent des Netzes aus. Dementsprechend sind ein Viertel aller Ladepunkte in Deutschland Schnellladesäulen. Besonders stark vertreten sind ultraschnelle Ladepunkte zwischen 150 und 350 kW sowie über 350 kW, die zusammen rund 19 Prozent der gesamten Infrastruktur ausmachen. Europaweit liegt der Anteil bei elf Prozent. In Lettland sind mehr als ein Drittel aller Ladesäulen ultraschnelle Ladepunkte (36 Prozent) – ein Spitzenwert in der EU.

 

 

 

 

Ladeinfrastruktur für Schwerlastfahrzeuge

Neben der Ladeinfrastruktur für Pkw erfasst die Analyse auch öffentlich zugängliche Ladestandorte für Schwerlastfahrzeuge. Dabei wird zwischen Standorten unterschieden, die ausschließlich für schwere Nutzfahrzeuge vorgesehen sind, und solchen, die gemeinsam mit Ladepunkten für Pkw genutzt werden. In der Auswertung werden ausschließlich Standorte berücksichtigt, die mindestens eine Ladestation mit einer theoretischen Leistung von 350 kW oder mehr aufweisen.

 



CNG, LNG und LPG: Unterschiede in der europäischen Infrastruktur
Neben der Elektromobilität zeigt auch die Infrastruktur für gasbasierte Kraftstoffe innerhalb der EU deutliche Unterschiede. CNG (Compressed Natural Gas) und LNG (Liquefied Natural Gas) sind zwei Formen von Erdgas: CNG wird komprimiert gespeichert, während LNG verflüssigt wird, um eine höhere Energiedichte zu erreichen. LPG (Liquefied Petroleum Gas), auch Autogas genannt, ist hingegen ein Propan-Butan-Gemisch, das als Nebenprodukt bei der Erdöl- und Erdgasförderung entsteht.

Unsere Analyse der Entwicklung seit 2015 zeigt, wie sich die Anzahl der CNG- und LNG-Tankstellen in Europa entwickelt hat. Im Jahr 2024 gibt es EU-weit 3.913 CNG- und 688 LNG-Tankstellen.

 




Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Ländern: Die höchsten absoluten Zahlen finden sich in größeren Mitgliedsstaaten wie Italien, Deutschland und Frankreich, während kleinere Länder teilweise nur über eine geringe Anzahl entsprechender Tankstellen verfügen.

 

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Mit insgesamt 28.491 Tankstellen ist LPG die am weitesten verbreitete alternative Kraftstoffinfrastruktur in der EU. Die Daten zeigen zudem, dass die Zahl der LPG-Tankstellen nach einem Höchststand im Jahr 2019 zuletzt leicht rückläufig war und sich aktuell auf einem stabilen Niveau bewegt.

 




Wasserstoff: Geringe Verbreitung innerhalb der EU
Bei Wasserstoff-Tankstellen wird zwischen Hochdruck- und Niederdruck-Systemen unterschieden. Hochdruck-Tankstellen arbeiten mit deutlich höheren Druckniveaus und ermöglichen dadurch eine schnellere Betankung sowie größere Reichweiten, da mehr Wasserstoff in kürzerer Zeit gespeichert werden kann. Niederdruck-Tankstellen hingegen arbeiten mit geringeren Druckstufen und werden entsprechend anders eingesetzt.

Wasserstoff-Tankstellen sind in der EU kaum verbreitet. Innerhalb der EU gibt es 318 Tankstellen – laut Daten von H2 Mobility befinden sich 50 davon in Deutschland. Während Wasserstoff in Europa keine große Rolle spielt, flossen in Bayern 95 Prozent aller Energie-Fördermittel in Wasserstoffprojekte. Im Februar 2026 gab Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger eine weitere Investition in Höhe von 54 Millionen Euro bekannt.